WhatsApp als Newslettersystem

Im Menü legt man die Broadcast-Listen an, die dann durch das Megafon-Symbol gut von normalen Kontakten zu unterscheiden sind.

Im Menü legt man die Broadcast-Listen an, die dann durch das Megaphon-Symbol gut von normalen Kontakten zu unterscheiden sind.

E-Mail, Facebook, Gemeindebrief, Abkündigungen im Gottesdienst – was ist der geeignete Weg mit Gemeindemitgliedern zu kommunizieren? Das kommt natürlich immer auf die Zielgruppe und auf die zu verteilenden Informationen an. Einen interessanten Weg der schnellen Kommunikation, nämlich per WhatsApp, habe ich bisher nur extrem selten im Bereich kirchlicher Kommunikation gesehen. Dabei könnte alles so einfach sein…

Ein Beispiel aus meiner Gemeinde: Ich habe aufgrund von unerwartet wenig Anmeldungen zu einer Kinderbibelwoche noch Plätze im Bus für den Tagesausflug frei. Der könnte auch für Familien interessant sein, die ihre Kinder aus was für Gründen auch immer nicht zur KiBiWo schicken. Wenn meine Gemeinde eine schnelle Kommunikationsmöglichkeit gehabt hätte, hätte ich die Restplätze billig vergeben können und alle hätten gewonnen. E-Mails erreichen die jüngeren Familien aber zu großen Teilen nicht mehr, also ist es Zeit neue Wege zu gehen. Mit WhatsApp könnte es einfacher werden.

So ganz einfach ist es natürlich nicht. Zuerst muss natürlich die rechtliche Seite geklärt werden, die es eigentlich gar nicht so in sich hat. So etwas wie ein Double-Opt-In-Verfahren gehört nämlich zur technische Voraussetzung meiner angedachten Methode. (In diesem Sinne dürften die meisten E-Mail-Newsletter von Kirchengemeinden deutlich mehr Abmahnpotential haben!!*) Die WhatsApp-Funktion, die den Newsletterversand möglich macht ist weitgehend unbekannt und nennt sich Broadcast. Anders als in Gruppen können die Mitglieder einer Broadcast-Liste ihre Telefonnummern gegenseitig nicht sehen. Es sieht beim Abonnenten so aus, als hätte die Kirchengemeinde ihn persönlich angeschrieben. (Ich empfehle den Artikel vom Rechtsanwalt Thomas Schwenke zu dem Thema WhatsApp für Menschen, die es genauer wissen wollen. Ein weiterer rechtlicher Pferdefuß sind die AGB von WhatsApp, die Werbung verbieten, wobei die rechtliche Gültigkeit für Deutschland nicht abschließend geklärt ist.)

Bis zu 500 Mitglieder lässt WhatsApp in eine Liste und so dürften auch größere Gemeinden mit bestenfalls ein paar Broadcast-Listen auskommen, selbst wenn es sehr gut mit den Anmeldungen läuft. Die Abonnenten müssen zum Empfang der Nachrichten die Handynummer des Gemeindehandys in ihrem Adressbuch speichern und dann das Abo entweder durch eine WhatsApp-Nachricht oder durch eine Nachricht auf einem anderen Kanal (Website, E-Mail,…) beginnen. Auf Kirchengemeindeseite würde man dann die Nummer der Abonnenten in WhatsApp in die Broadcast-Liste eintragen und sich (wenn man auf Nummer sicher gehen will) die Nachricht mit dem Aboauftrag speichern.

Bei dieser Methode des Informationsaustauschs sollte man jedoch beachten, dass man als Kirchengemeinde sehr nah an die Menschen herankommt (nämlich bis in die Hosentasche und in die App in der oft persönlichste Dinge verhandelt werden). Ich würde deshalb raten die Häufigkeit der WhatsApp-Nachrichten auf maximal 2x die Woche zu begrenzen (lieber nur einmal die Woche zu einer festen Uhrzeit). Wie so oft ist es auch hier so: Kommt nur Uninteressantes, ist das Abo ganz schnell gekündigt (und nur ein Nummernlöschen entfernt). Das abonnentenseitige Nummernlöschen ist die eine Variante der Abokündigung, das Anschreiben der Kirchengemeinde die zweite und bessere (da so auch die Nummer vom Kirchengemeinde-Handy gelöscht werden kann). Der Hinweis auf die Möglichkeit zur Kündigung muss aus rechtlichen Gründen regelmäßig kommuniziert werden (theoretisch wie bei einem E-Mail-Newsletter in jedem einzelnen Beitrag).

Zu den Inhalten: Seid kreativ! WhatsApp kann wesentlich mehr als nur Texte versenden! (Und bitte: Versendet Flyer per WhatsApp nur auf explizite Bitte einzelner Abonnenten als pdf – die meisten Smartphones haben keine App zum pdf-Anzeigen installiert! Wofür gibt es Bilder?! 🙂 )

Schritt für Schritt:

  1. SIM-Karte für die Kirchengemeinde kaufen (ca. 10€, Anbieter egal**)
  2. WhatsApp auf (altem/gebrauchten/günstigen) Smartphone (oder in virtueller Maschine installieren***)
  3. WhatsApp einrichten
  4. Menü -> Neuer Broadcast
  5. Telefonnummer und Anleitung im Gemeindebrief und auf der Website veröffentlichen
  6. Sich freuen und die Liste regelmäßig bespielen

Eine Sache, die das Tippen für Menschen über 30 viel einfacher macht, nämlich via Rechner: WhatsApp Web und/oder die Programm-Version für Windows und OS X.

whatsapp-web

Einziges Manko bei WhatsApp-Web: Das erste Anlegen (und die Abo-Verwaltung) von Broadcast-Listen ist wegen des fehlenden Adressbuchs nicht möglich.

Zwei Dinge zum Schluß: Rechnet damit, dass Menschen auf euren Newsletter antwortet und antwortet eurerseits zurück (Zwei-Wege-Kommunikation ist das beste, was euch passieren kann!). Und: Zwingt niemanden zur WhatsApp-Nutzung und haltet einen freien Alternativkanal offen. Wenn ihr die Beiträge eh am PC tippt, dann könnt ihr sie auch gerade schnell in einen Mailverteiler werfen.

PS: Die Evangelische Kirche in Westfalen macht ihren Adventskalender auf WhatsApp mit dieser Technik.
PPS: Wer noch ein bisschen mehr wissen möchte, kann hier einen Blick in den WhatsApp-Teil einer Schulungspräsentation werfen.

*Fast alle mir bekannten E-Mail-Newsletter von Kirchengemeinden benutzen weder das Double-Opt-In-Verfahren (Eintrag der E-Mail-Adresse und dann eine weitere Bestätigung des Abos bspw. per Klick in der ersten E-Mail) noch haben sie den wiederkehrenden Hinweis auf die Möglichkeit zur Beendigung des Abos.

**Manche Anbieter legen SIM-Karten bei Nicht-Benutzung oder Nicht-Aufladung nach unterschiedlichen Zeiträumen still. Ein möglichst großer Zeitraum ist natürlich gut, da ihr die SIM-Karte ja sonst nicht weiter benutzen müsst. ACHTUNG: Ladet die Karte rechtzeitig auf, damit ihr die Nummer nicht verliert!

***Android mit WhatsApp auf dem Computer installieren ist recht einfach (Virtualbox und Image von hier) auch wenn die Benutzung etwas kniffelig ist. Ich werde demnächst eine Anleitung schreiben.

Wolfgang Loest

Wolfgang Loest

Wolfgang Loest arbeitet 50% als Social Media Pfarrer in der Lippischen Landeskirche und 50% als Gemeindepfarrer in der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost. Er ist ein Computer-Freak und und arbeitet bei der Offenen Bibel mit.

2 Gedanken zu “WhatsApp als Newslettersystem

  1. Thxx a lot for den informativen Beitrag und die tollen Tipps.
    Zwei Anmerkungen: in unsrer Gemeinde wird Whats-App von sehr vielen Gruppen genutzt. Konfi-Gruppen doppelt -auf Anregung des Pfarrers einmal mit, einmal ohne ihn ;). Den Rückkanal fix zu bedienen gehört ja zum Medium und die Nachrichtenmenge, die sich Teens darüber schicken, ist exorbitant. Hauskreise, Posaunenchor, Gottesdienst- und Krippenspielgruppe etc. ,das Kriterium ist: es besteht schon eine Gruppe, die sich besser vernetzen möchte.
    Persönlich fänd ich es aufdringlich, wenn mir die Institution Kirche Nachrichten „in meine Hosentasche“ schickt. Und 2x die Woche ist mir schon bei Campact und anderen NGOs, wo ich freiwillig mitmache, way to much.
    Der gute alte Newsletter hat dagegen gerade ein gefeiertes Comeback. Sogar im hippen Hauptstadt-Journalismus.
    Zur Medienkompetenz gehört auch, dass wir das Medium nicht überschätzen, nur weil es neu ist. Twitter hat nur halb so viele Nutzer in D, wie der staubige Teletext. Und der Gemeindebrief schlägt nach allen Untersuchungen immer noch alle anderen Kanäle weit ab -was uns ja nicht daran hindern muss, uns jetzt auf das Post-Papier-Zeitalter vorzubereiten.
    Eine praktische Konsequenz: Pfarrer brauchen ein Dienst-Smartphone oder Tablett, vor allem, wenn sie zerstückelte Stellen haben.
    Bin auf die Erfahrungen anderer Gemeindeglieder gespannt und hoffe, es teilen noch viele Ihre Praxis hier.

  2. Pingback: Lange nicht mehr gebloggt, oder? | erLoest

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