Digitalisierung, Pfarrberuf und Gemeinde

Ich wurde gefragt, was mir im Moment gerade im Bezug auf die Digitalisierung im Bereich des Pfarrberufs und der Kirchengemeinden wichtig sei. Ich habe ein paar ungeordnete Gedanken aufgeschrieben, die euch zum Weiterdenken anregen sollen und gern diskutiert werden dürfen. 🙂

Egal ob Kirche das gut findet oder nicht: Viele Menschen sind mittlerweile wesentlich leichter digital (via SocialMedia) anzusprechen als physisch. Der Marktplatz von Paulus ist heute nicht mehr der Marktplatz in Lemgo oder Detmold, sondern die Sozialen Netzwerke in all ihrer Vielfalt. Es gibt nicht mehr ein Marktplatz pro Stadt, sondern 10 Marktplätze in jeder Stadt, die aber städteübergreifend sind und die jeweils wiederum Nischen haben, in die man nur über Empfehlungen hineinkommt. In diese digitalen Flüsterkneipen („Filterbubble“) in denen uns unerreichbare Menschen sind, kommen wir nur durch Empfehlung („Teilen“). Das bedeutet dreierlei:¹ Weiterlesen

Strengere Gesetze für eine bessere Welt

Nach fast jeder Gewalttat, bei der mit einer Feuerwaffe Menschen zu Schaden kommen, werden Forderungen nach einer Verschärfung des Waffenrechts laut. Besonders dann, wenn der Täter ein Jäger oder Sportschütze ist, der sein Gewehr oder seine Pistole auf ganz legalem Weg erwerben konnte, wird ein dringender Handlungsbedarf seitens besorgter Bürger gesehen. In Deutschland sowieso, aber auch in anderen Ländern Europas sind die Waffengesetze zu liberal. Diese These konnte man zumindest zwischen den Zeilen am Ende eines Artikels auf spiegel-online lesen, der letztes Jahr kurz nach einem Mord an drei Frauen in der finnischen Stadt Imatra erschien. Der Täter, so haben Augenzeugen berichtet, feuerte mit einem Jagdgewehr auf die Frauen. Wahrscheinlich war der Täter somit jemand, der seine Waffe als Jäger legal besessen hatte. Wie so viele zuvor, hätte auch dieses Verbrechen ganz einfach durch strengere Gesetze verhindert werden können. Weiterlesen

Brennst du oder glimmst du?

angezündete StreichhölzerNeulich kam ich mal wieder in den Genuss, an einer Fortbildung teilnehmen zu dürfen. Und wie so oft macht man sich dann mit mehr oder weniger Erwartungen auf den Weg, um dann mehr oder weniger vom Inhalt der Veranstaltung überrascht zu werden.
Selbst der Titel der Veranstaltung: Konfirmandenarbeit, zwischen Alltag und Innovation, lässt reichlich Spielraum für Spekulationen. Begegnen mir alltäglich Erfahrungen oder kann ich doch etwas Innovatives mit nach Lippe nehmen?
Auf der Zielgraden der Fortbildung fand ich mich mit zwei anderen, lippischen Kollegen in einem Workshop wieder. Der Auftakt war sehr vielversprechend, ein ziemlich fitter und engagierter Kollege aus der Bremischen Kirche gestaltete den Aufschlag in dem er das gute, alte Lernzonenmodell vorstellte.
Dieses Lernzonenmodell untergliedert sich in drei Zonen. In die Komfortzone, die Lernzone und die Weiterlesen

WhatsApp als Newslettersystem

Im Menü legt man die Broadcast-Listen an, die dann durch das Megafon-Symbol gut von normalen Kontakten zu unterscheiden sind.

Im Menü legt man die Broadcast-Listen an, die dann durch das Megaphon-Symbol gut von normalen Kontakten zu unterscheiden sind.

E-Mail, Facebook, Gemeindebrief, Abkündigungen im Gottesdienst – was ist der geeignete Weg mit Gemeindemitgliedern zu kommunizieren? Das kommt natürlich immer auf die Zielgruppe und auf die zu verteilenden Informationen an. Einen interessanten Weg der schnellen Kommunikation, nämlich per WhatsApp, habe ich bisher nur extrem selten im Bereich kirchlicher Kommunikation gesehen. Dabei könnte alles so einfach sein…

Ein Beispiel aus meiner Gemeinde: Ich habe aufgrund von unerwartet wenig Anmeldungen zu einer Kinderbibelwoche noch Plätze im Bus für den Tagesausflug frei. Der könnte auch für Familien interessant sein, die ihre Kinder aus was für Gründen auch immer nicht zur KiBiWo schicken. Wenn meine Gemeinde eine schnelle Kommunikationsmöglichkeit gehabt hätte, hätte ich die Restplätze billig vergeben können und alle hätten gewonnen. E-Mails erreichen die jüngeren Familien aber zu großen Teilen nicht mehr, also ist es Zeit neue Wege zu gehen. Mit WhatsApp könnte es einfacher werden.

So ganz einfach ist es natürlich nicht. Zuerst muss natürlich die rechtliche Seite geklärt werden, die es eigentlich gar nicht so in sich hat. Weiterlesen

Livestream von der Synode

Auf der Lippischen Landessynode gab es am Dienstag, 22. November, unter anderem einen Vortrag mit Aussprache zum Thema „Kommunikation der biblischen Botschaft in der digitalen Gesellschaft“ Den Vortrag in Film und pdf findet ihr hier.

Synode.

Hier gehts zur Aufzeichnung des Livestreams
Und hier könnt ihr den Vortrag als pdf herunterladen.

Kommentare sind natürlich erwünscht. Da die Geschäftsordnung der Synode ein Rederecht explizit gewähren muss, wird es schwierig eure Fragen und Kommentare ins Plenum zu bringen.

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Volkstrauertag – Wer trauert hier eigentlich um wen?

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Kriegerdenkmal, Bad Meinberg

Jedes Jahr im November begehen wir einen Feiertag, der nicht unumstritten ist. Als meine Oma noch ein Kind war, wurde dieser Feiertag in Heldengedenktag umbenannt. Ursprünglich war er dazu da gewesen, an die Gefallenen und die Opfer des Ersten Weltkriegs zu erinnern. Dieser Feiertag sollte ein Tag der Mahnung sein, nicht abermals wie 1914 in Kriegseuphorie zu verfallen und stattdessen den Frieden in Europa zu wahren. Doch die Nazis pervertierten diese Idee und nutzen den, wie sie ihn nannten, Heldengedenktag, um diejenigen postum zu ehren, die für Volk und Vaterland glorreich gekämpft hatten.
Bekanntermaßen wollte nach 1945 niemand mehr derartiges hören, geschweige denn sich zur Ideologie des gerade untergegangenen Nazistaats öffentlich äußern. Doch wieder war das Bedürfnis da, in Demut der millionenfachen Opfer zu gedenken, um Angehörige zu trauern und zur Friedfertigkeit zu ermahnen. Weiterlesen